Überblick
In diesem Artikel geht es darum, wie man als Anbieter eines Online-Systems Zahlungen entgegennehmen kann. Ohne genau in Details zu gehen, schauen wir uns an, wie eine Zahlungsabwicklung funktioniert. Dann beleuchten wir kurz die möglichen Risiken. Zum Schluss vergleichen wir verschiedene Anbieter. Normalerweise schreiben wir in diesem Blog auf Englisch, aber hier machen wir eine Ausnahme, da sich die Gegebenheiten und Prioritäten für die Zahlungsabwicklung im deutschsprachigen Raum durchaus von anderen/amerikanischen Märkten unterscheiden.
Zahlunganbieter und Zahlungsabwickler
Die Landschaft zum Entgegennehmen von Zahlungen gleicht einem Dschungel. Kaum taucht man ein, wird man von Begriffen wie Zahlungsanbieter, direkte und indirekte Zahlungsabwickler, Zahlungs-Gateways, Händlerkonten und vielem mehr überhäuft. Alle genauen Begrifflichkeiten zu lernen, ist nicht notwendig. Wichtig für uns als Entwickler sind die Zahlungs-Gateways. Das ist der Teil des Systems, der die API für uns bietet. Auch die Unterscheidung zwischen Zahlungsanbieter und Zahlungsabwickler ist interessant: Zahlungsabwickler fokussieren sich auf die technische Seite der Transaktion, inklusive der sicheren Übertragung von Zahlungsdaten und der Zusammenarbeit mit Banken. Zahlungsanbieter hingegen bieten darüber hinaus ein breiteres Spektrum an Dienstleistungen, wie die Integration von Zahlungs-Gateways und Sicherheitsmaßnahmen.
Eine Zahlungsabwicklung besteht aus vielen Schritten: von dem Bedienen des Zahlungs-Gateways, über das Autorisieren & Verifizierung von Transaktionen bis hin zur Abwicklung. All diese Schritte wollen wir von unserem Zahlungsanbieter sicher übernommen wissen.
Dafür wollen die Unternehmen natürlich einen Obolus.
Typischerweise setzen sich die Kosten für Zahlungsabwicklungen aus Pauschalgebühren, Transaktionsgebühren und möglichen Zusatzgebühren zusammen.
Dabei werden die prozentualen Anteile vom Verkauf, die das Interbankenentgelt, die Gebühren des Kreditkartennetzwerks und der eigenen Bank umfassen, oft addiert und als Gesamtbetrag präsentiert, während Transaktionsgebühren separat aufgeführt werden: x % + [Transaktionsgebühr in €]
Risiken
Bevor wir uns die einzelnen Anbieter genauer anschauen, ist es wichtig zu verstehen, welche Risiken bestehen. Wie immer müssen wir uns gegen die “normalen” Risiken wie Einbrüche in den Server oder die App, Klau von Daten aus der Datenbank, Man-in-the-middle attacks, usw. schützen. Bei den Payment-Providern gibt es allerdings noch drei weitere wichtige Kategorien: Rechtliches, Transaktionsfehler & Dispute.
Einen Webshop rechtlich korrekt aufzustellen ist nicht ganz einfach: Datenschutz, AGBs, Widerrufsrechte uvm. Auch bei der Wahl eines Zahlungsanbieters ist die rechtliche Seite nicht zu unterschätzen. Vor allem bei dem Datenschutz ist hier Vorsicht geboten. Je nach Standort des Anbieters müssen hier bestimmte Formalien beachtet werden. Auch die PCI-Konformität muss gesichert sein. Da sind noch einige weitere Dinge, die am besten mit einer Rechtsabteilung zu klären sind.
Transaktionsfehler sind die zweite wichtige Kategorie. Das sind Transaktionen, die nicht “durchgehen”. Das kann daher rühren, dass beispielsweise eine Kreditkarte nicht gedeckt ist oder schon in Betrugsfällen verwendet wurde. Viele Anbieter unterstützen uns dabei, diese Fehlerfälle möglichst früh herauszufischen. Typischerweise kommunizieren die Anbieter in Echtzeit mit den Banken und verfügen über Betrugsschutz-Systeme. Dennoch kann es sein, dass Kosten für diese fehlgeschlagenen Transaktionen anfallen.
Dispute sind Fälle, bei denen der Kunde das Geld nach Zustandekommen der Transaktion zurückzieht. Dies nennt man Rückzahlungen oder Chargebacks. Ursprünglich waren sie zum Schutz vor Kreditkartenbetrug gedacht. Heute werden sie jedoch auch oft für andere Gründe wie Unzufriedenheit mit Produkten oder Vermeidung von Retouren genutzt (aka Friendly Fraud). Dies kann für Unternehmen problematisch sein, da dies Kosten verursachen kann und natürlich auch auf den Kontostand/Warenbestand schlagen kann. Die Vermeidung von Friendly Fraud erfordert proaktive Maßnahmen von Unternehmen. Einerseits hilft ein einfaches, kundenfreundliches Rückgabeverfahren, um Kunden davon abzuhalten, Rückbuchungen als Alternative zur Rücksendung unerwünschter Produkte zu nutzen. Andererseits minimiert die Bereitstellung klarer Versandinformationen, wie Paketdienst, Sendungsverfolgungsnummern und voraussichtliche Lieferzeiten, das Risiko von Rückbuchungen aufgrund vermeintlich verloren gegangener Sendungen. Darüber hinaus ist es immer eine gute Idee, wenn Kunden eine einfache Kontaktmöglichkeit haben. So können Probleme meist früh und ohne weitere Payment-Kosten gelöst werden.
Als Fußnote sollte man noch erwähnen, dass bei häufigen Rückbuchungen oder Betrugsfällen auch die Sperrung oder Beendigung des Händlerkontos drohen kann.
Zahlungsarten (Wallets)
Verschiedene Anbieter bieten verschiedene Möglichkeiten, Zahlungen entgegenzunehmen. So können einige Unternehmen nur Kreditkarten, andere ihre eigenen Konten und andere auch Lastschriften. Statistika hat im Jahr 2019 eine Umfrage zu den Zahlungsverfahren im Internet gemacht. Neben Rechnung waren damals PayPal und Lastschrift ganz vorn. Dicht gefolgt von Kreditkarten. Im Dezember 2021 waren die Online-Bezahldienste wie PayPal und Klarna weiter vorn, aber auf Rechnung und Lastschrift wurden weiterhin viel genutzt. Kreditkarten sind in Deutschland bei weitem nicht so beliebt wie in den USA. Aus den Statistiken haben wir für unser Projekt abgeleitet, dass PayPal und Kreditkarten sehr wichtig sind. Lastschrift-Unterstützung ist ein gutes Plus.
Genau durchzublicken, welche Anbieter welche Möglichkeiten bieten, ist nicht ganz einfach. Mache Anbieter wickeln alles selbst ab, andere integrieren nur andere Unternehmen. Beispielsweise unterstützt stripe PayPal.
Anbieter
Wir werden in diesem Artikel die folgenden Anbieter vergleichen:
- PayPal Den kennt wohl jeder.
- Stripe Einer der größten Zahlungs-Anbieter mit vielen Integrationen.
- Klarna Ein schwedisches Unternehmen.
- Mollie Ein Aggregator für viele Zahlungsarten (z.B. Klarna, Sofortüberweisung)
Es gibt noch viele weitere Anbieter, wie beispielsweise Amazon Pay oder Shopify Payments. Beispielsweise haben wir Lemonsqueezy (ein hippes, amerkanisches Unternehmen) ausgeschlossen, da es keine deutsche Webseite gab und die Gebühren bei 5% lagen (quelle).
Kriterien
Die folgenden Kriterien werden für den Vergleich herangezogen:
- Mögliche Zahlungsarten
- Kosten
- Kosten für Dispute
- Einbindungsmöglichkeiten
- Betrugsschutz
- Firmensitz
Bewertung
PayPal
- Kurzbeschreibung: PayPal ist im Internet sehr präsent. Sie selbst werben damit, dass sie 375 Millionen Kunden haben. Das ist eine Hausnummer.
- Zahlungsarten: PayPal, Lastschrift (giropay), Kredit- und Debitkarten, auch den Rechnungskauf, die PayPal Ratenzahlung und Bezahlen nach 30 Tagen.
- Kosten: 2,99 % + 0,39 € (für Kartenzahlung in Euro, Quelle)
- Kosten für Dispute: ggf. 16 € für Rückbuchungen und/oder 14 € für Konflikte (Quelle)
- Einbindungsmöglichkeiten: Bietet viele Möglichkeiten. Das einfachste ist die “Standard”-Integration, welche PayPal und Kreditkartenzahlung erlaubt. Die Sandbox zum Testen ist praktisch. Die Dokumentation der API ist umfassend und es gibt Video-Tutorials. Um Giropay anzubinden, muss man ein paar mehr Anforderungen erfüllen.
- Betrugsschutz: PayPal ist sehr groß und hat entsprechende Werkzeuge im Koffer.
- Firmensitz: Luxemburg (PayPal Europe) / USA
Stripe
- Kurzbeschreibung: Stripe ist der Platzhirsch. Er ist dafür bekannt, dass die Oberflächen sehr anpassbar sind und die Entwicklerdokumentation exzellent ist.
- Zahlungsarten: Karten, Apple/Google Pay, giropay, Klarna, uvm.
- Kosten: 1,5 - 2,5 % + 0,25 € für Kartenzahlung; 2,99% + 0,35 € für über Klarna (quelle, quelle)
- Kosten für Dispute: 20 € bei Anfechtungen
- Einbindungsmöglichkeiten: Stripe unterstützt auch ohne komplexe Anpassungen die Abfrage von verschiedenen Kundendaten wie beispielsweise die Lieferadresse. PayPal kann auch eingerichtet werden, bedarf aber der Verbindung eines PayPal-Kontos (also doppelter administrativer Aufwand).
- Betrugsschutz: Stripe ist auch sehr groß und verfügt über den “Stripe Radar”. Der kostet etwa 0,05 € pro Transaktion und soll aber sehr zur Betrugsprävention beitragen.
- Firmensitz: Irland
Klarna
- Kurzbeschreibung: Klarna ist noch recht neu am Markt, hat aber viel Anteil gewonnen. Hier werden die Forderungen an Klarna abgegeben und Klarna kümmert sich auch um problematische Fälle. Der Support ist gut und direkt.
- Zahlungsarten: Rechnungskauf, Ratenkauf, Kreditkarte, Lastschrift, Sofortüberweisung
- Kosten: 2,99% + 0,35 €
- Kosten für Dispute: Das Risiko liegt bei Klarna. Falls doch Probleme entstehen, die beim Händler liegen, kann es zu einer Gebühr von 15 € kommen.
- Einbindungsmöglichkeiten: Klarna bietet mit dem “Payments” Widget das Abwickeln der Zahlung und mit dem “Checkout” Modul weitere Möglichkeiten wie beispielsweise Namens- und Adresseingabe.
- Betrugsschutz: Klarna hat auch verschiedene Prüfungen.
- Firmensitz: Schweden
Quelle: Telefonat vom 02.01.2023
Mollie
- Kurzbeschreibung: Mollie ist ein Aggregator. Das Unternehmen verbindet mehrere andere Anbieter, wie Klarna oder PayPal. Die Zahlungsabwicklung übernimmt Mollie über eine eigene API und kommuniziert dann mit den Subunternehmen. Leider sind trotzdem Accounts mit PayPal und co. erforderlich, da dort dann die Dispute ausgetragen werden müssen.
- Zahlungsarten: Kreditkarten, Sofort, Giropay, Klarna, PayPal, uvm.
- Kosten: Variiert stark nach Zahlungsart; z.B. 1.8 % + 0,25 € für EU Kreditkarten
- Kosten für Dispute: Hier delegiert Mollie alles an die einzelnen Subunternehmen.
- Einbindungsmöglichkeiten: Mollie legt viel Wert auf eine polierte Entwickler-Präsenz. Es gibt verschiedene SDKs (u.a. Ruby). Man kann zwischen einem “Hosted Checkout” und eigener Implementierung wählen.
- Betrugsschutz: Der Telefonberater sagte, es gäbe keine eigene Präventionslösung, allerdings sagt die Webseite etwas anderes (zumindest für Kreditkarten).
- Firmensitz: Schweden
Quelle: Telefonat vom 02.01.2023
Andere Möglichkeiten
Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Möglichkeit, Zahlungen ohne externe Zahlungsabwickler zu handhaben. Optionen wie Vorkasse oder Überweisung sind hierbei klassische Methoden. Bei der Lastschrift benötigt man lediglich die Bankdaten des Kunden und eine Vereinbarung mit der eigenen Bank, um Lastschriften einziehen zu können. Eine einfache Methode zur Überprüfung der Bankdaten bei Lastschrift ist beispielsweise die Prüfung der Prüfsumme der IBAN. Diese Optionen eignen sich besonders für Anbieter von Online-Diensten, die keine physischen Waren versenden und somit ein geringeres Betrugsrisiko eingehen
Fazit
Dieser Artikel gibt einen kurzen Einstieg in die Landschaft der Zahlungsabwicklung. Welcher Anbieter der richtige ist – und ob überhaupt einer Benötigt wird –, hängt stark von der zu erwartenden Kundschaft und der Personaldecke ab. Beispielsweise ist Mollie keine gute Idee, wenn man nicht viel Zeit in die Administration investieren möchte. Allerdings wäre es eine gute Alternative, wenn man möglichst viele Zahlungsarten unterstützen möchte. Mit dem Vergleich von PayPal, Stripe, Klarna und Mollie ist der Grundstein gelegt, um weitere Unternehmen zu prüfen. Gerne unterstützen wir sie bei der Implementierung.
P.S.: Preise können sich ändern. Wir wurden von niemanden für diesen Artikel bezahlt und wir übernehmen keine Haftung für die oben genannten Fakten.